"Verkehrte Welt"

Interview auf Boesner TV
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"Innerhalb des Vierecks meiner Leinwand habe ich jede Freiheit, Welten zu erschaffen oder auch zu verwerfen."

Interview auf Deconarch www.deconarch.com



Gemälde-Ausstellung von Friederike Vahlbruch in der Alten Mühle des Kunstvereins – Titel: „Ohne Baugenehmigung“

Verkehrte Welt in New York

Volker Stephan

Unna. New York muss man nicht schön finden, wenn man aus dem naturbelassenen Unnaer Osten stammt. Man kann aber. Alles eine Frage der Perspektive. Schön oder nicht schön: Teile der nun zu sehenden, großformatigen Bilder in der Alten Mühle verlangen einen klaren Standpunkt. Wenn Künstlerin Friederike Vahlbruch etwa die Wolkenkratzer und Straßen des Big Apple auf den Betrachter einstürzen lässt, bleibt kaum Luft zum Atmen. So scheint es zunächst, weil alle Ränder des Bildes mit Gebäuden und Straßen zugepflastert sind. Oben ist unten und andersrum. Verkehrte Welt.

 "Reduktion ist ja offensichtlich nicht meine Sache"

Allerdings ist der schmale Himmel über New York durch die irritierende Darstellung nun ins Zentrum des Bildes und damit der Stadt gerückt. So bannt Vahlbruch das Beängstigende und weckt die Neugier auf die vielen Details. Die New Yorker Ölbilder aus der Serie „Mondrian City“ stehen stellvertretend für die Ausstellung. Die in Köln lebende Vahlbruch lässt die Eindrücke auf die Kunstfreunde einstürzen, als gäb’s kein Morgen. Ihre Illusionsmalerei spielt in einer Szene Domino mit bemannten Swimming - Pools. In einem anderen Bild verschwimmt der Horizont am Strand in groben Wellenlinien und folgt damit dem Schwung einer gebogenen Palme. Die sich so auftürmenden Wellen geben dem Bild angesichts der Katastrophe von Japan ungewollt eine makabere, aktuelle Note.
Mondrians Baumserie von 1912, in der der berühmte Niederländer immer mehr reduziert und verfremdet hat, hat Vahlbruch zu der New-York- Serie inspiriert. Das ist aber auch schon der einzige Bezugspunkt zum Meister der Abstraktion, es gibt viel zu sehen in Vahlbruchs Welt. „Reduktion ist ja offensichtlich nicht meine Sache“, sagt sie mit einem Lachen. Tatsächlich sind die Bilder oft bis ins Kleinste ausgefeilt. Das ist das Ergebnis langer Vorarbeit. Fotos und Vorlagen werden von ihr am Computer zu einer Collage verarbeitet und dann in wochenlanger Arbeit abgemalt. Aus einem Guss, ohne in Schichten zu malen.
Wie sagt Vahlbruch doch sinngemäß: „Ich habe zu vielem ein ambivalentes Verhältnis.“ Ähnlich wie die Badenixe auf dem Bild, in dem sie fröhlich aus einem Schwimmbecken steigt, in das gleichzeitig Haus und Hof versinken. Ein schöner Untergang.
Die Ausstellung von Friederike Vahlbruch mit dem Titel „Ohne Baugenehmigung“, findet in der Alten Mühle des Kunstvereins, Mühlenstraße 4c, statt. Eröffnung: Freitag, 18. März, 19.30 Uhr. Einführung: Pia Esch-Renner, Kunsthistorikerin aus Frechen. Ausstellung bis 10. April, jeweils Fr. 17-19 Uhr, Sa./So. 11 bis 13 Uhr



Schwetzinger Zeitung


Vernissage: Friederike Vahlbruch zeigt im Palais Hirsch in ihrer gleichnamigen Ausstellung Bilder aus dem "Land der unbegrenzten Möglichkeiten"
Öffnungszeiten der Ausstellung im Palais Hirsch (bis 27. Februar): mittwochs bis sonntags, 13 bis 18 Uhr)

Grenzen der amerikanischen Traumwelt

von unserer Mitarbeiterin Sabine Sipos 07. Februar 2011


"Etwas sehen, es wahrnehmen, führt zunächst zu inneren Bildern. Diese Bilder dann künstlerisch umzusetzen, darin besteht der Prozess des Malens." So beschreibt Friederike Vahlbruch ihre Arbeitsweise, als wir sie bei der Vernissage ihrer Ausstellung "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" begleiten. Ein Besuch in New York und hier die Stadtrundfahrt mit einem doppelstöckigen Bus hatte für Vahlbruch etwas von einer Initialzündung. Die Wahrnehmung sei einfach eine völlig andere, als wenn man zu Fuß durch die Straßen gehe. Durch die Straßen der Stadt zu fahren und alles aus einer Höhe von 3,50 Metern zu sehen, verschiebt zudem die Perspektive erheblich.
Wie Friederike Vahlbruch am Samstag bei der Vernissage, zu der der Kunstverein eingeladen hatte, selbst sagte, bestehe die Ausstellung aus "Bildern des Sehens". Diese aufgeschlossene, humorvolle Dame verfügt über eine bemerkenswerte Beobachtungsgabe, die sich in ihren Bildern widerspiegelt.

Exzellente Beobachtungsgabe

Etwas näher auf diese Beobachtungsgabe gingen dann sowohl Oberbürgermeister Dr. René Pöltl, als auch Dr. Dietmar Schuth ein, nachdem Kunstverein-Vorsitzender Erik Schnatterer die Gäste begrüßt hatte. Als Banker erwähnte er die Finanzkrise als etwas überwunden und hoffte deshalb, dass auch die Nachfrage an Kunst wieder zunimmt. Nach ihm übernahm OB Pöltl das Wort, wobei er das Vorausschauende in den Bildern sah. Die in Amerika angesiedelten Bilder zeigen eine Sicht auf die sich verbreitenden Zustände in den USA.
Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten stößt zusehends auf seine Grenzen. Was die Bilder zeigen - und hier zitiert die Chronistin Friederike Vahlbruch - ist der Traum des amerikanischen Mittelstandes: Haus, Auto, Swimmingpool. Humorvoll und in ihrer ganz eigenen Sichtweise, dokumentiert sie das in der Reihe der "Domino-Bilder".
Der in die Ausstellung einführende Kurator des Kunstvereins Dr. Dietmar Schuth ging auf die Arbeitsweise der Künstlerin ein. Fotos, vielfach selbst gemacht, oder im Internet gefunden, dienen zunächst als Vorlagen. Die Möglichkeiten des Computers für eine Bearbeitung dieser Fotos und eine variable Zusammensetzung unterschiedlicher Elemente und Szenarien ergeben für die Malerin ein dann ein komplettes Bild. Sie unterwirft sich also nicht einer intuitiven Pinselführung, sondern bringt in Öl auf Nessel (Gewebe in Leinwandbindung aus Baumwolle), was sie am Computer bereits entworfen hat.

Keine politische Ausstellung

Was die 25 Bilder zeigen, sind - wenn auch gegenständliche - keine absolut authentischen Wiedergaben, sondern eher eine atmosphärische Hinsicht auf die USA heute. Ein Land, das keineswegs mehr unbegrenzte Möglichkeiten bietet, wo sich so mancher Traum verflüchtigt hat. Schuth griff das Thema Umwelt auf, das in den "Strandbildern" von Friederike Vahlbruch eine deutliche und durchaus tragende Rolle spielt. Trotz der ganzen Assoziationen, die sich aus den Bildern ergeben (können), ist es keine politische Ausstellung, ganz im Gegenteil. Auf heitere Art und Weise stellt Valhbruch die Welt und ihre persönliche Sicht darauf im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf. Man könnte fast sagen, es ist eine Ausstellung, die gute Laune verbreitet. Die Bilder sind gegenständlich und doch weit davon entfernt "fotografisch" zu sein. Auch die Farben präsentieren sich keineswegs negativ. Viel zartes Grau und Farben aus der realen Natur prägen die Bilder. Eine Ausstellung, die etwas zum Nachdenken gibt, ohne jegliche negative Auswirkungen.



Kölnische Rundschau

Von  Ursula Härtling,  31.03.2010

Kleinkarierter Mann im Netz
Die irritierenden Bilder der Malerin Friederike Vahlbruch in der Galerie Skala

UnterPalmennews

 "Unter Palmen"
, so der Titel dieser Arbeit, ist die Welt auch nicht so heil, wie man denkt. (Foto:Galerie)

Vorsicht Absturzgefahr: Wolken türmen sich in den blauen Himmel, Bergketten kippen zur Seite, ein Haus klebt schräg am Hang. Die Malerin Friederike Vahlbruch bringt das Hochgebirge dramatisch ins Wanken. Sie malt eine Landschaft, die sich zu überschlagen scheint - nur die Kühe liegen noch ruhig auf der Weide, und ein Wanderer blickt stoisch ins Weite.
"Disturbed Harmony" nennt Vahlbruch (Jg. 1964) ihre Ausstellung in der Galerie Skala. Und tatsächlich basiert ihre Kunst neben einer präzisen Maltechnik vor allem auf subtilen Irritationen. Nicht nur die Alpenpanoramen muten reichlich surreal an - auch Strände, Autobahnen oder Bibliotheken siedelt sie in einem fantastischen Zwischenraum an. Die Künstlerin verwandelt die reale Außenwelt in Schauplätze ihrer inneren Wahrnehmung: "Ich male nicht, wie etwas aussieht, sondern wie mein Empfinden war, als ich an dem Ort stand."
Friederike Vahlbruch, die in den achtziger Jahren als Meisterschülerin bei Professor Rissa an der Kunstakademie Düsseldorf studierte, erfasst ihre Umgebung wie ein Seismograf, der untergründige Störungen aufspürt. Auf den ersten Blick sieht alles ganz harmlos aus - wie ein Postkartenmotiv: Ein sonniger Strand mit braun gebrannten Menschen. Dazu eine Palme und das Drei- Sterne-Hotel "Adria". Doch am Rand schwappt ein Wellenberg hoch, der die Ferienidylle unter sich zu begraben droht. Vahlbruchs Ölbilder strahlen gleichzeitig hell und düster. Das wirkt beklemmend, manchmal auch bösartig. Ihr Repertoire speist sich aus Momenten, in denen sich eine Katastrophe ankündigt, aber noch nicht hereingebrochen ist. Menschen malt die Künstlerin als austauschbares Personal, das stereotyp durch die Szenen geistert. Die Männer tragen brav Arbeitskluft und Baustellenhelm oder Outdoor-Kleidung, während Frauen zu Gogo-Girls mutieren, die sich auf amerikanischen Straßenkreuzern räkeln.
Und dann ist da noch ein ganz kleines Bild. Schwarz, Grau, Braun - nichts Auffälliges. Ein Mann mit schwarzer Hornbrille steht am Fenster und blickt nachdenklich hinaus. Seinen Kopf überzieht ein feines Netz, das gut mit den Holzlamellen des Fensterladens korrespondiert. Friederike Vahlbruch hat hier mit sparsamen Mitteln ihre abgründigste Landschaft geschaffen: "Der kleinkarierte Mann" zeigt, wie ein Mensch in seinem Koordinatensystem vergittert ist. Preise zwischen 300 und 4800 Euro. Lindenstr. 21, Mo-Fr 12-18 und Sa 11-14 Uhr, bis 10. April



Kölnische Rundschau Rhein - Erft

Kölnische Rundschau Rhein - Erft

Von  Hanna Styrie,  16.09.09, 07:03h

Galerie Esch-Renner bezog Räume in der Frechener Innenstadt

FRECHEN. Galeristin Pia Esch-Renner hat vorsichtshalber einen Stadtplan-Ausschnitt auf ihre aktuelle Einladungskarte drucken lassen. Ganz leicht sind die neuen Ausstellungsräume in der Karl-Göbels-Straße nämlich nicht zu finden, die man durch einen verwunschenen Garten erreicht.
Mit dem privaten Umzug vor einigen Monaten bahnte sich auch eine Standort-Veränderung für die Galerie an. Hier fand sich schneller als gedacht eine Lösung: die hinteren Räumlichkeiten in dem hundert Jahre alten Elternhaus der Kunsthändlerin an der Hauptstraße warteten schon lange auf eine neue Nutzung. Pia Esch-Renner sanierte sie grundlegend und hat nun zur Gartenseite einen großzügigen Raum und ein fensterloses kleines Kabinett, das vielfältige Möglichkeiten bietet.
„Ich wollte in eine Lauflage“, erklärt Esch-Renner, die die neuen Galerie-Räume mit Gemälden von Friederike Vahlbruch eröffnet. „Trügerische Idylle“ ist der bezeichnende Titel der Ausstellung, denn die Bilder offenbaren beim genauen Hinsehen eine Vieldeutigkeit, die zwiespältige Gefühle auslöst. Aus dem „Wegrutschen der Realität“ beziehen die überwiegend großformatigen Werke ihre Spannung. „Ein Bild muss haften bleiben; es muss sich in der Übermacht der Medien als Einzelbild behaupten“, erklärt die Künstlerin, die erst vor kurzem von einem USA-Aufenthalt zurückgekehrt ist.
„New York“ heißt ihr jüngstes Bild, auf dem eine der typischen Straßenfluchten zu sehen ist, die sich „wie ein steineres Riff“, so die Malerin, in den Himmel erhebt. Dass die Größenverhältnisse nicht stimmen, dass die Häuser leicht kippen und raffiniert ineinander geschachtelt sind, nimmt man freilich erst auf den zweiten Blick wahr. „Man entdeckt immer neue Dinge“, lobt Pia Esch-Renner, die ihrer Künstlerin, die sie vor zwei Jahren bei den Offenen Ateliertagen in Frechen kennen gelernt hat, eine „schöne Weiterentwicklung“ bescheinigt.
Viele kleine Einzelteile tragen auch bei Arbeiten wie „Unter Palmen“ und „Drei Windstärken“ zur Verunsicherung des Betrachters bei; äußerst unbehaglich kann es einem angesichts der dramatischen Gewitterstimmung im Panoramaformat werden. Bizarre Schönheit paart sich hier mit einem Gefühl von Bedrohung, das sich beim Betrachten von Friederike Vahlbruchs komplexen Bildern zumeist erst beim genauen Hinsehen einstellt.
Die Ausstellung dauert bis zum 10. Oktober. Geöffnet ist donnerstags und freitags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs und samstags von 11 bis 14 Uhr.



Kölner Stadtanzeiger Rhein-Erft

Die romantische Idylle trügt

Von Uta Böker, 09.09.09, 18:03h

Friederike Vahlbruchs Bilder spielen mit den Erwartungen der Betrachter. Kunsthändlerin Pia Esch-Renner erfüllt sich mit der neu eröffnenden Galerie an der Frechener Hauptstraße einen lang gehegten Traum.

Unglück
FRECHEN - Auf den ersten Blick ist es ein harmloses Gewitter an einem Sommerabend. Erst beim Eintauchen in das Bild erschließt sich die ganze Dramatik. Der Blick verfolgt die Blitze in alle Richtungen. Einer ist vielleicht sogar eingeschlagen und hat für ein Unglück gesorgt. In ihrer Ausstellung in der neuen Galerie von Pia Esch-Renner an der Hauptstraße präsentiert Friederike Vahlbruch 15 Gemälde unter dem Titel „Trügerische Idylle“.
Beim Gewitter-Bild verzichtet die Malerin auf abstrakte Momente. Die Aktion am Himmel und die Kraft der Farben sprächen für sich. Aber sonst setzt die in Frechen lebende Künstlerin meist auf surreale Elemente, die beim Betrachter ambivalente Gefühle auslösen. Da ist die Strandszene, die sich ebenfalls im Panoramaformat über die Leinwand erstreckt. Menschen sonnen sich und gehen baden. Der Sand ist weiß, das Meer blau. Eine junge Frau lässt sich fotografieren. Ein unbeschwerter Sonnentag. Wenn da nicht diese riesige, bedrohliche Welle wäre, die sich im Hintergrund auftürmt und die Idylle zerstört. Wieder offenbart sich dem Betrachter erst beim genauen Hinsehen der doppelte Boden, das zweite Gesicht des Bildes. „Ich male nicht, wie etwas aussieht. Sondern wie mein Empfinden war, als ich an dem Ort stand“, sagt Friederike Vahlbruch, die an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert hat und vor vier Jahren ihr Atelier in Frechen eröffnete. In ihrem jüngsten Werk steht die Stadt New York kopf. Die Gebäude wachsen von unten nach oben und von oben nach unten wie Stalagmiten und Stalagtiten in einer Höhle.
Die Künstlerin malt am liebsten typische Sehnsuchtslandschaften, aber auch hier weiß man nie, woran man ist. In einer Alpenlandschaft mit kippenden Bäumen sitzt ein Mann, der anstelle eines Kopfes ein Vogelhaus trägt.
Kunsthändlerin Pia Esch-Renner aus Königsdorf erfüllt sich mit der Galerie in ihrem Elternhaus in der Fußgängerzone einen Traum und hofft auf eine Vernetzung mit den bestehenden Geschäften in der Nachbarschaft. Zur Galerie gehört noch ein Skulpturengarten.
Die Ausstellung „Trügerische Idylle“ von Friederike Vahlbruch wird in den neuen Räumen der Galerie Pia Esch-Renner, Hauptstraße 30, am heutigen Donnerstag, 18 bis 21 Uhr, eröffnet und ist bis zum 10. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag, 11 bis 18 Uhr, Mittwoch und Samstag, 11 bis 14 Uhr. Eingang über die Karl-Göbels-Straße.



Kölnische Rundschau Rhein - Erft

Die trügerische Idylle vor der Katastrophe
Von HANNA STYRIE, 16.06.2009

Atelierbesuch bei Friederike Vahlbruch 

FRECHEN.Auf den ersten Blick ist es nur eine Strandszene: Menschen in Badekleidung bevölkern den weißen Sand, darüber wölbt sich ein blauer Himmel. Alles wirkt so leicht und unbeschwert - wenn sich da nicht im Hintergrund eine mächtige Welle auftürmen würde, die die Idylle bedroht.
Es sind Situationen wie diese, die die Malerin Friederike Vahlbruch interessieren. Die Szenen, die sich oft im Panoramaformat über die Leinwand erstrecken, zeigen „Bilder vor der Katastrophe", wie die Künstlerin sagt. 2005 hat sie ihr Atelier von den Clouth-Werken in Köln in das unauffällige Industriegebäude in der Johannisstraße verlegt. Ideale Bedingungen bieten sich ihr und ihrem Malerkollegen Thomas Kalläwe hier, mit dem sich den lichten Raum teilt.
„Mit Frechen habe ich viel Glück gehabt", stellt die 44-Jährige rückblickend fest, „hier ist es mir leicht gemacht worden, hier ist alles so unaufgeregt und offen". Im letzten Jahr hat sie sich an den Offenen Ateliertagen beteiligt und bekam so Kontakt mit dem Frechener Kunstverein, dem sie kürzlich erst zwei Zeichnungen als Jahresgaben zur Verfügung stellte. Und auch mit der Nachbarschaft ist sie gut vernetzt: Elizabeth Weckes und Mathias Brock, die ihre Ateliers in der Nachbarschaft haben, kommen schon mal auf einen Kaffee vorbei.
„Ich liebe die Illusionsmalerei", sagt Friederike Vahlbruch, die an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert hat. Lange war sie als Dozentin an der Volkshochschule in Köln tätig. Es hat eine Weile gedauert, bis sie sich ihrer eigenen künstlerischen Arbeit ganz sicher war. „Jetzt habe ich ein gutes Gefühl und weiß, was ich machen will", sagt die Malerin.
Ihre Bilder zeigen eine trügerische Idylle, spielen mit ungewöhnlichen, gelegentlich verzerrten Perspektiven und offenbaren beim genauen Hinsehen eine Vieldeutigkeit, die ambivalente Gefühle auslösen. Aus dem „Wegrutschen der Realität" beziehen die Gemälde ihre Spannung. „Ein Bild muss haften bleiben; es muss sich in der Übermacht der Medien als Einzelbild behaupten", erklärt die Künstlerin.
Überaus sorgfältig plant sie die Gemälde, denen ein Entwurf zugrunde liegt, den sie aus vielen Einzelbildern zusammengefügt hat, die sie im Internet oder Zeitschriften findet. „Schneiden, formen und legieren" lautet ihr Arbeitsprinzip. Ist die Komposition vollendet, wird alles noch einmal auf Transparentpapier gezeichnet.
Der Betrachter wird verunsichert

Friederike Vahlbruch ist eine akribische Handwerkerin, die überaus planvoll zu Werke geht, zugleich aber frei bleibt für Veränderungen. „Ich male schnell und ohne Reue", konstatiert sie schmunzelnd mit Blick auf ein noch unfertiges Bild. Es zeigt eine Alpenlandschaft mit stürzenden Tannen; in der Mitte sitzt ein Mann, der anstelle eines Kopfes ein Vogelhaus trägt.
Viele kleine Einzelteile tragen hier zur Verunsicherung des Betrachters bei; etwas unbehaglich kann es einem auch angesichts der Gewitterstimmung werden, die sie auf einer großformatigen Leinwand festgehalten hat. Bizarre Schönheit paart sich mit einem Gefühl von Bedrohung, das sich beim Betrachten von Friederike Vahlbruchs Bildern oft erst auf den zweiten Blick einstellt.
Gemalt wird in sanfter Farbigkeit und mit leicht verschwimmenden Konturen, was den Eindruck von Trugbildern unterstreicht. „Ich mache keine Abbilder, ich will zeigen, was die Medien nicht erfassen können", betont die Künstlerin, die sich auch mit gesellschaftspolitischen Fragen wie etwa der Wirtschaftskrise oder der Klimaveränderung künstlerisch auseinandersetzt.
Schon seit längerem hat die Frechener Galeristin Pia Esch-Renner ein Auge auf Vahlbruchs Bilder geworfen, die sie im Mai in einer Einzelausstellung präsentierte.´


Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung( NRZ)

Kunstklau in der Klinik
Oberhausen, 13.06.2009, Helen Sibum

Aus der vom Kunstverein präsentierten Ausstellung im St. Elisabeth-Krankenhaus sind zwei Werke verschwunden.
Die Ausstellung heißt „Demontage”, was ein bisschen zynisch klingt angesichts der jüngsten Ereignisse: Zwei Bilder sind verschwunden aus dem St. Elisabeth Krankenhaus, wo der Kunstverein seit Ende April Werke von Friederike Vahlbruch präsentiert.
Eine Form der Ehrerbietung, über die die Malerin aus Köln wenig erfreut ist. „Irgendwie tut das weh”, beschreibt Vahlbruch den Verlust der beiden Kleinformate im Wert von je 800 Euro. „So teuer ist das nun auch nicht. Man hätte mich ansprechen und verhandeln können.”
Das erste Bild – „Miami Beach” – muss bereits vor der Vernissage abhanden gekommen sein. Im Eröffnungstrubel fiel das niemandem auf, weil der kunstliebende Langfinger den Haken und das Schild gleich mit verschwinden ließ. Zwei Wochen später musste Ortwin Goertz, Vorsitzender des Kunstvereins, den Klau eines weiteren Werkes vermelden. Titel: „La Belle et la Bête”.

„Keine Publicity um jeden Preis”
„Ich weiß nicht, was er sich dabei gedacht hat”, sagt Goertz über den unbekannten Täter. Immerhin ist dem Chef des Kunstvereins aufgefallen, dass beide der surrealistischen Zeitgeist-Bilder einen Porsche zeigen. „Einmal einen Cayenne und einmal einen 911 – mit einer leicht bekleideten Dame, die sich auf dem Auto räkelt.” Frau und/oder Flitzer gefielen irgendjemandem offenbar so gut, dass er sie einfach einsteckte.
Friederike Vahlbruch hat diese schmerzliche Erfahrung schon einmal gemacht: Im Jahr 2004 stellte sie in Hamburg einen kunstvollen Sessel aus. Das mehr als 100 Kilogramm schwere Teil verschwand, um nach einem Zeitungsbericht wieder aufzutauchen – leider im Hafenbecken und ziemlich derangiert. Ein Schelm, wer bei dieser Duplizität der Ereignisse Böses denkt: „Ich gehöre nicht zu den Künstlern, die Publicity wollen um jeden Preis”, betont Friederike Vahlbruch.
Der Spaß ist ohnehin vorbei, spätestens seit die Polizei eingeschaltet ist und die Sache zum Versicherungsfall wurde. „Die Versicherung der Helios-Kliniken tritt sofort ein”, sagt Ortwin Goertz, der Konsequenzen gezogen hat: Die kleineren unter den 38 Exponaten hat er abgehängt und statt dessen Fotos der Bilder an die Wand gepinnt – wer Interesse hat, kann die Originale bei ihm einsehen.

Geschäftige Gänge
Die anderen, bis zu zwei Meter großen Werke wagt Goertz an ihrem Platz zu belassen. Immerhin hängt die Ausstellung in der Ambulanz, einem viel frequentierten Bereich der Klinik. Das ist freilich auch das Dilemma der ganzen Aktion. Denn natürlich möchte der Kunstverein, dass möglichst viele Besucher die Kunst zu sehen bekommen, möchte das Krankenhaus „durch Farbe aufbrechen”. Zugleich allerdings verliert man in der geschäftigen Ambulanz schnell den Überblick darüber, wer hier durch die Gänge schlendert.
Ortwin Goertz hofft nun inständig, dass die begehrten Werke wieder auftauchen – nicht zuletzt, um die Reputation der Ausstellungsreihe zu retten. Seit fast 20 Jahren zeigt der Verein Kunst im Krankenhaus, „und nie ist etwas derartiges passiert”.
Auch Friederike Vahlbruch setzt darauf, dass den Klinik-Dieb ein schlechtes Gewissen plagt. „Im besten Fall schleicht er sich nochmal rein und stellt eine Tüte ab.”



Kölner Stadtanzeiger, 13. März 2007
Die große Kraft der Farben
VON JÜRGEN KISTERS, 12.03.07, 23:00h

Carmen
Die Malerin Friederike Vahlbruch spielt mit ihren Motiven: Hier ist eine spanische Tänzerin mit einem Möbelstück verwachsen.

 
Ehrenfeld - Die Beziehung von Kunst und Humor hat eine lange Tradition - mit besonderen Höhepunkten in der künstlerischen Karikatur eines Honore Daumier im 19. Jahrhundert und den zugespitzten politischen Bildmotiven der deutschen Expressionisten in den 1920er-Jahren. In dieser Tradition stehen die acht malerischen Frauen-Bilder, die Friederike Vahlbruch derzeit in einer Ausstellung im Kunstverein KunstEfeld präsentiert. Da palavert eine gesichts- und schuhlose Angela Merkel im deutschen Bundestag vor einem Bundesadler im gestreiften Anzug und in frisch geputzten Männerschuhen. Alice Schwarzer hockt in einem sackleinenartigen Gewand in einem alten Lehnstuhl, die Schreibfeder wie eine Lanze in der Hand.

Die seit 1991 in Köln lebende Künstlerin liebt das plakative, erzählerische Motiv. Allerdings stets so, dass sich ein doppelter Boden darin ergibt, schwankend im Spannungsfeld von Witz und bissiger Satire, spielerischer Fabulierlust und unversöhnlichem Gesellschaftskommentar. Bei allem lustvollen Eintauchen in die Kraft der Farbe ist die 1964 geborene Vahlbruch vor allem eine kritische Malerin, die in unterschiedlichsten kompositorischen Spielarten das Bild der modernen Frau zur Diskussion stellt. Frau Glück dreht sich keck als erotisches Püppchen in der Mitte einer Roulette-Schüssel. Demütig und hilflos erscheint dagegen die kniende junge Frau, die aus einer Geldbörse herauskriecht, um die über die Erde verstreuten Münzen aufzusammeln. Und Katharina, wer immer das ist, erinnert wiederum an die feenhaften Frauengestalten aus alten Märchen. Nur dass sie - anstatt freudig durch die Luft zu springen - im verdrehten Rückenlagen-Sturzflug durch den Himmel schwebt. Inmitten der derzeitigen gesellschaftlichen Diskussion um Thesen katholischer Bischöfe zur Würde der Frau und die Wiederbelebung des traditionellen Frauenbildes in der Buchveröffentlichung der ehemaligen Tagesschausprecherin Eva Hermann erweisen sich Vahlbruchs Bilder als hochaktuell.

Vor allem Fragen will die Künstlerin aufwerfen, die von 1984 bis 1990 an der Düsseldorfer Kunstakademie Malerei studierte und anschließend an der Kölner Universität noch ein Studium der Kunstgeschichte absolvierte. Die Beschäftigung mit der Kunstgeschichte hat ihrer Malerei entscheidende Impulse gegeben. Wie im Barock sollen meine Bilder einen Sinneseindruck durch Form und Farbe, ein offensichtliches Motiv und eine Ebene weiterreichender ikonografischer Bedeutungen vermitteln, erklärt Vahlbruch. Sie weiß, dass das ein hoher Anspruch ist, und sie versteht sich demgemäß trotz ihrer bereits erreichten Meisterschaft in der figürlichen Darstellung immer noch als eine Lernende. Kompositionen so komplex wie die des Leipziger Malerstars Neo Rauch schweben ihr dabei zukünftig vor. Und der Blick auf die bei KunstEfeld gezeigten Bilder legen den Schluss nahe, dass sie einige entscheidende Entwicklungsschritte in diese Richtung bereits gemacht hat.

Kunstverein KunstEfeld, Lenauplatz 3, Mo 16-19 Uhr, Sa 14-18 Uhr, bis 23. März