"Verkehrte Welt"
Interview auf Boesner TV www.boesner.tv/?p=520
"Innerhalb des Vierecks meiner Leinwand habe ich jede Freiheit, Welten
zu erschaffen oder auch zu verwerfen."
Interview auf Deconarch www.deconarch.com
Gemälde-Ausstellung von Friederike Vahlbruch in der
Alten
Mühle des Kunstvereins – Titel: „Ohne
Baugenehmigung“
Verkehrte
Welt
in New York
Volker Stephan
Unna. New
York muss man nicht schön finden, wenn man aus dem
naturbelassenen
Unnaer Osten stammt. Man kann aber. Alles eine Frage der Perspektive.
Schön oder nicht schön: Teile der nun zu sehenden,
großformatigen
Bilder in der Alten Mühle verlangen einen klaren Standpunkt.
Wenn Künstlerin
Friederike Vahlbruch etwa die Wolkenkratzer und Straßen des
Big Apple auf den Betrachter
einstürzen lässt, bleibt kaum Luft zum Atmen. So
scheint es zunächst, weil alle
Ränder des Bildes mit Gebäuden und Straßen
zugepflastert sind. Oben ist unten und
andersrum. Verkehrte Welt.
"Reduktion
ist ja offensichtlich nicht meine Sache"
Allerdings ist der schmale Himmel über New York
durch die irritierende Darstellung
nun ins Zentrum des Bildes und damit der Stadt gerückt. So
bannt Vahlbruch das
Beängstigende und weckt die Neugier auf die vielen Details.
Die New Yorker Ölbilder
aus der Serie „Mondrian City“ stehen
stellvertretend für die Ausstellung. Die in Köln
lebende Vahlbruch lässt die Eindrücke auf die
Kunstfreunde
einstürzen, als gäb’s kein Morgen. Ihre
Illusionsmalerei spielt in einer Szene Domino
mit bemannten Swimming - Pools. In einem anderen Bild verschwimmt der
Horizont am Strand in groben Wellenlinien
und folgt damit dem Schwung einer gebogenen Palme. Die sich so
auftürmenden
Wellen geben dem Bild angesichts der Katastrophe von Japan ungewollt
eine makabere,
aktuelle Note.
Mondrians Baumserie von 1912, in der der berühmte
Niederländer
immer mehr reduziert und verfremdet hat, hat Vahlbruch zu der New-York-
Serie inspiriert. Das ist aber auch schon der einzige Bezugspunkt zum
Meister der
Abstraktion, es gibt viel zu sehen in Vahlbruchs Welt.
„Reduktion ist ja offensichtlich
nicht meine Sache“, sagt sie mit einem Lachen.
Tatsächlich
sind die Bilder oft bis ins Kleinste ausgefeilt. Das ist das Ergebnis
langer Vorarbeit.
Fotos und Vorlagen werden von ihr am Computer zu einer Collage
verarbeitet und dann
in wochenlanger Arbeit abgemalt. Aus einem Guss, ohne in Schichten zu
malen.
Wie sagt Vahlbruch doch sinngemäß: „Ich
habe zu vielem
ein ambivalentes Verhältnis.“ Ähnlich wie
die Badenixe
auf dem Bild, in dem sie fröhlich aus einem Schwimmbecken
steigt, in das gleichzeitig
Haus und Hof versinken. Ein schöner Untergang.
Die Ausstellung von Friederike Vahlbruch mit dem Titel „Ohne
Baugenehmigung“, findet in
der Alten Mühle des Kunstvereins,
Mühlenstraße 4c, statt.
Eröffnung: Freitag, 18.
März, 19.30 Uhr. Einführung:
Pia Esch-Renner, Kunsthistorikerin
aus Frechen. Ausstellung
bis 10. April, jeweils Fr.
17-19 Uhr, Sa./So. 11 bis 13 Uhr
Schwetzinger Zeitung
Vernissage: Friederike Vahlbruch zeigt im Palais Hirsch in
ihrer gleichnamigen Ausstellung Bilder aus dem "Land der unbegrenzten
Möglichkeiten"
Öffnungszeiten der Ausstellung im Palais Hirsch (bis 27.
Februar): mittwochs bis sonntags, 13 bis 18 Uhr)
Grenzen der amerikanischen Traumwelt
von unserer Mitarbeiterin Sabine Sipos 07.
Februar 2011
"Etwas sehen, es wahrnehmen, führt zunächst zu
inneren
Bildern. Diese Bilder dann künstlerisch umzusetzen, darin
besteht
der Prozess des Malens." So beschreibt Friederike Vahlbruch ihre
Arbeitsweise, als wir sie bei der Vernissage ihrer Ausstellung "Land
der unbegrenzten Möglichkeiten" begleiten. Ein Besuch in New
York
und hier die Stadtrundfahrt mit einem doppelstöckigen Bus
hatte
für Vahlbruch etwas von einer Initialzündung. Die
Wahrnehmung
sei einfach eine völlig andere, als wenn man zu Fuß
durch
die Straßen gehe. Durch die Straßen der Stadt zu
fahren und
alles aus einer Höhe von 3,50 Metern zu sehen, verschiebt
zudem
die Perspektive erheblich.
Wie Friederike Vahlbruch am Samstag bei der Vernissage, zu der der
Kunstverein eingeladen hatte, selbst sagte, bestehe die Ausstellung aus
"Bildern des Sehens". Diese aufgeschlossene, humorvolle Dame
verfügt über eine bemerkenswerte Beobachtungsgabe,
die sich
in ihren Bildern widerspiegelt.
Exzellente Beobachtungsgabe
Etwas näher auf diese Beobachtungsgabe gingen dann sowohl
Oberbürgermeister Dr. René Pöltl, als auch
Dr. Dietmar
Schuth ein, nachdem Kunstverein-Vorsitzender Erik Schnatterer die
Gäste begrüßt hatte. Als Banker
erwähnte er die
Finanzkrise als etwas überwunden und hoffte deshalb, dass auch
die
Nachfrage an Kunst wieder zunimmt. Nach ihm übernahm OB
Pöltl
das Wort, wobei er das Vorausschauende in den Bildern sah. Die in
Amerika angesiedelten Bilder zeigen eine Sicht auf die sich
verbreitenden Zustände in den USA.
Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten
stößt zusehends
auf seine Grenzen. Was die Bilder zeigen - und hier zitiert die
Chronistin Friederike Vahlbruch - ist der Traum des amerikanischen
Mittelstandes: Haus, Auto, Swimmingpool. Humorvoll und in ihrer ganz
eigenen Sichtweise, dokumentiert sie das in der Reihe der
"Domino-Bilder".
Der in die Ausstellung einführende Kurator des Kunstvereins
Dr.
Dietmar Schuth ging auf die Arbeitsweise der Künstlerin ein.
Fotos, vielfach selbst gemacht, oder im Internet gefunden, dienen
zunächst als Vorlagen. Die Möglichkeiten des
Computers
für eine Bearbeitung dieser Fotos und eine variable
Zusammensetzung unterschiedlicher Elemente und Szenarien ergeben
für die Malerin ein dann ein komplettes Bild. Sie unterwirft
sich
also nicht einer intuitiven Pinselführung, sondern bringt in
Öl auf Nessel (Gewebe in Leinwandbindung aus Baumwolle), was
sie
am Computer bereits entworfen hat.
Keine politische Ausstellung
Was die 25 Bilder zeigen, sind - wenn auch gegenständliche -
keine
absolut authentischen Wiedergaben, sondern eher eine
atmosphärische Hinsicht auf die USA heute. Ein Land, das
keineswegs mehr unbegrenzte Möglichkeiten bietet, wo sich so
mancher Traum verflüchtigt hat. Schuth griff das Thema Umwelt
auf,
das in den "Strandbildern" von Friederike Vahlbruch eine deutliche und
durchaus tragende Rolle spielt. Trotz der ganzen Assoziationen, die
sich aus den Bildern ergeben (können), ist es keine politische
Ausstellung, ganz im Gegenteil. Auf heitere Art und Weise stellt
Valhbruch die Welt und ihre persönliche Sicht darauf im
wahrsten
Sinne des Wortes auf den Kopf.
Man könnte fast sagen, es ist eine Ausstellung, die gute Laune
verbreitet. Die Bilder sind gegenständlich und doch weit davon
entfernt "fotografisch" zu sein. Auch die Farben präsentieren
sich
keineswegs negativ. Viel zartes Grau und Farben aus der realen Natur
prägen die Bilder. Eine Ausstellung, die etwas zum Nachdenken
gibt, ohne jegliche negative Auswirkungen.
Kölnische
Rundschau
Von Ursula Härtling, 31.03.2010
Kleinkarierter
Mann im Netz
Die irritierenden Bilder
der Malerin Friederike Vahlbruch in der Galerie Skala

"Unter Palmen", so der Titel dieser Arbeit, ist
die Welt auch nicht so heil, wie man denkt. (Foto:Galerie)
Vorsicht Absturzgefahr: Wolken türmen sich in den blauen
Himmel,
Bergketten kippen zur Seite, ein Haus klebt schräg am Hang.
Die Malerin Friederike Vahlbruch bringt das Hochgebirge dramatisch ins
Wanken.
Sie malt eine Landschaft, die sich zu überschlagen scheint -
nur die Kühe liegen noch ruhig auf der Weide, und ein Wanderer
blickt stoisch ins Weite.
"Disturbed Harmony" nennt Vahlbruch (Jg. 1964) ihre Ausstellung in der
Galerie Skala.
Und tatsächlich basiert ihre Kunst neben einer
präzisen Maltechnik vor allem auf subtilen Irritationen. Nicht
nur die Alpenpanoramen muten reichlich surreal an - auch
Strände, Autobahnen oder Bibliotheken siedelt sie in einem
fantastischen Zwischenraum an. Die Künstlerin verwandelt die
reale Außenwelt in Schauplätze ihrer inneren
Wahrnehmung: "Ich male nicht, wie etwas aussieht, sondern wie mein
Empfinden war, als ich an dem Ort stand."
Friederike Vahlbruch, die in den achtziger Jahren als
Meisterschülerin bei Professor Rissa an der Kunstakademie
Düsseldorf studierte, erfasst ihre Umgebung wie ein
Seismograf, der untergründige Störungen
aufspürt. Auf den ersten Blick sieht alles ganz harmlos aus -
wie ein Postkartenmotiv: Ein sonniger Strand mit braun gebrannten
Menschen. Dazu eine Palme und das Drei-
Sterne-Hotel "Adria". Doch am Rand schwappt ein Wellenberg hoch, der
die Ferienidylle unter sich zu begraben droht.
Vahlbruchs Ölbilder strahlen gleichzeitig hell und
düster. Das wirkt beklemmend, manchmal auch bösartig.
Ihr Repertoire speist sich aus Momenten, in denen sich eine Katastrophe
ankündigt, aber noch nicht hereingebrochen ist. Menschen malt
die Künstlerin als austauschbares Personal, das stereotyp
durch die Szenen geistert. Die Männer tragen brav Arbeitskluft
und Baustellenhelm oder Outdoor-Kleidung, während Frauen zu
Gogo-Girls mutieren, die sich auf amerikanischen
Straßenkreuzern räkeln.
Und dann ist da noch ein ganz kleines Bild. Schwarz, Grau, Braun -
nichts Auffälliges. Ein Mann mit schwarzer Hornbrille steht am
Fenster und blickt nachdenklich hinaus. Seinen Kopf überzieht
ein feines Netz, das gut mit den Holzlamellen des Fensterladens
korrespondiert. Friederike Vahlbruch hat hier mit sparsamen Mitteln
ihre abgründigste Landschaft geschaffen: "Der kleinkarierte
Mann" zeigt, wie ein Mensch in seinem Koordinatensystem vergittert ist.
Preise zwischen 300 und 4800 Euro. Lindenstr. 21, Mo-Fr 12-18 und Sa
11-14 Uhr, bis 10. April
Kölnische
Rundschau Rhein - Erft
Kölnische
Rundschau Rhein - Erft
Von Hanna Styrie, 16.09.09, 07:03h
Galerie Esch-Renner bezog
Räume in der Frechener Innenstadt
FRECHEN. Galeristin Pia Esch-Renner hat vorsichtshalber einen
Stadtplan-Ausschnitt auf ihre aktuelle Einladungskarte drucken lassen.
Ganz leicht sind die neuen Ausstellungsräume in der
Karl-Göbels-Straße nämlich nicht zu finden,
die man durch einen verwunschenen Garten erreicht.
Mit dem privaten Umzug vor einigen Monaten bahnte sich auch eine
Standort-Veränderung für die Galerie an. Hier fand
sich schneller als gedacht eine Lösung: die hinteren
Räumlichkeiten in dem hundert Jahre alten Elternhaus der
Kunsthändlerin an der Hauptstraße warteten schon
lange auf eine neue Nutzung. Pia Esch-Renner sanierte sie grundlegend
und hat nun zur Gartenseite einen großzügigen Raum
und ein fensterloses kleines Kabinett, das vielfältige
Möglichkeiten bietet.
„Ich wollte in eine Lauflage“, erklärt
Esch-Renner, die die neuen Galerie-Räume mit Gemälden
von Friederike Vahlbruch eröffnet.
„Trügerische Idylle“ ist der bezeichnende
Titel der Ausstellung, denn die Bilder offenbaren beim genauen Hinsehen
eine Vieldeutigkeit, die zwiespältige Gefühle
auslöst. Aus dem „Wegrutschen der
Realität“ beziehen die überwiegend
großformatigen Werke ihre Spannung. „Ein Bild muss
haften bleiben; es muss sich in der Übermacht der Medien als
Einzelbild behaupten“, erklärt die
Künstlerin, die erst vor kurzem von einem USA-Aufenthalt
zurückgekehrt ist.
„New York“ heißt ihr jüngstes
Bild, auf dem eine der typischen Straßenfluchten zu sehen
ist, die sich „wie ein steineres Riff“, so die
Malerin, in den Himmel erhebt. Dass die
Größenverhältnisse nicht stimmen, dass die
Häuser leicht kippen und raffiniert ineinander geschachtelt
sind, nimmt man freilich erst auf den zweiten Blick wahr.
„Man entdeckt immer neue Dinge“, lobt Pia
Esch-Renner, die ihrer Künstlerin, die sie vor zwei Jahren bei
den Offenen Ateliertagen in Frechen kennen gelernt hat, eine
„schöne Weiterentwicklung“ bescheinigt.
Viele kleine Einzelteile tragen auch bei Arbeiten wie „Unter
Palmen“ und „Drei Windstärken“
zur Verunsicherung des Betrachters bei; äußerst
unbehaglich kann es einem angesichts der dramatischen Gewitterstimmung
im Panoramaformat werden. Bizarre Schönheit paart sich hier
mit einem Gefühl von Bedrohung, das sich beim Betrachten von
Friederike Vahlbruchs komplexen Bildern zumeist erst beim genauen
Hinsehen einstellt.
Die Ausstellung dauert bis zum 10. Oktober. Geöffnet ist
donnerstags und freitags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs und samstags von
11 bis 14 Uhr.
Kölner
Stadtanzeiger Rhein-Erft
Die romantische Idylle
trügt
Von Uta Böker, 09.09.09, 18:03h
Friederike Vahlbruchs Bilder spielen mit den Erwartungen der
Betrachter. Kunsthändlerin Pia Esch-Renner erfüllt
sich mit der neu eröffnenden Galerie an der Frechener
Hauptstraße einen lang gehegten Traum.
FRECHEN - Auf den ersten Blick ist es ein harmloses Gewitter an einem
Sommerabend. Erst beim Eintauchen in das Bild erschließt sich
die ganze Dramatik. Der Blick verfolgt die Blitze in alle Richtungen.
Einer ist vielleicht sogar eingeschlagen und hat für ein
Unglück gesorgt. In ihrer Ausstellung in der neuen Galerie von
Pia Esch-Renner an der Hauptstraße präsentiert
Friederike Vahlbruch 15 Gemälde unter dem Titel
„Trügerische Idylle“.
Beim Gewitter-Bild verzichtet die Malerin auf abstrakte Momente. Die
Aktion am Himmel und die Kraft der Farben sprächen
für sich. Aber sonst setzt die in Frechen lebende
Künstlerin meist auf surreale Elemente, die beim Betrachter
ambivalente Gefühle auslösen. Da ist die Strandszene,
die sich ebenfalls im Panoramaformat über die Leinwand
erstreckt. Menschen sonnen sich und gehen baden. Der Sand ist
weiß, das Meer blau. Eine junge Frau lässt sich
fotografieren. Ein unbeschwerter Sonnentag. Wenn da nicht diese
riesige, bedrohliche Welle wäre, die sich im Hintergrund
auftürmt und die Idylle zerstört. Wieder offenbart
sich dem Betrachter erst beim genauen Hinsehen der doppelte Boden, das
zweite Gesicht des Bildes. „Ich male nicht, wie etwas
aussieht. Sondern wie mein Empfinden war, als ich an dem Ort
stand“, sagt Friederike Vahlbruch, die an der Kunstakademie
in Düsseldorf studiert hat und vor vier Jahren ihr Atelier in
Frechen eröffnete. In ihrem jüngsten Werk steht die
Stadt New York kopf. Die Gebäude wachsen von unten nach oben
und von oben nach unten wie Stalagmiten und Stalagtiten in einer
Höhle.
Die Künstlerin malt am liebsten typische
Sehnsuchtslandschaften, aber auch hier weiß man nie, woran
man ist. In einer Alpenlandschaft mit kippenden Bäumen sitzt
ein Mann, der anstelle eines Kopfes ein Vogelhaus trägt.
Kunsthändlerin Pia Esch-Renner aus Königsdorf
erfüllt sich mit der Galerie in ihrem Elternhaus in der
Fußgängerzone einen Traum und hofft auf eine
Vernetzung mit den bestehenden Geschäften in der
Nachbarschaft. Zur Galerie gehört noch ein Skulpturengarten.
Die Ausstellung „Trügerische Idylle“ von
Friederike Vahlbruch wird in den neuen Räumen der Galerie Pia
Esch-Renner, Hauptstraße 30, am heutigen Donnerstag, 18 bis
21 Uhr, eröffnet und ist bis zum 10. Oktober zu sehen.
Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag, 11 bis 18 Uhr,
Mittwoch und Samstag, 11 bis 14 Uhr. Eingang über die
Karl-Göbels-Straße.
Kölnische
Rundschau Rhein - Erft
Die trügerische
Idylle vor der Katastrophe
Von HANNA STYRIE, 16.06.2009
Atelierbesuch bei Friederike Vahlbruch
FRECHEN.Auf den ersten Blick ist es nur eine Strandszene: Menschen in
Badekleidung bevölkern den weißen Sand,
darüber wölbt sich ein blauer Himmel. Alles wirkt so
leicht und unbeschwert - wenn sich da nicht im Hintergrund eine
mächtige Welle auftürmen würde, die die
Idylle bedroht.
Es sind Situationen wie diese, die die Malerin Friederike Vahlbruch
interessieren. Die Szenen, die sich oft im Panoramaformat über
die Leinwand erstrecken, zeigen „Bilder vor der Katastrophe",
wie die Künstlerin sagt. 2005 hat sie ihr Atelier von den
Clouth-Werken in Köln in das unauffällige
Industriegebäude in der Johannisstraße verlegt.
Ideale Bedingungen bieten sich ihr und ihrem Malerkollegen Thomas
Kalläwe hier, mit dem sich den lichten Raum teilt.
„Mit Frechen habe ich viel Glück gehabt", stellt die
44-Jährige rückblickend fest, „hier ist es
mir leicht gemacht worden, hier ist alles so unaufgeregt und offen". Im
letzten Jahr hat sie sich an den Offenen Ateliertagen beteiligt und
bekam so Kontakt mit dem Frechener Kunstverein, dem sie
kürzlich erst zwei Zeichnungen als Jahresgaben zur
Verfügung stellte. Und auch mit der Nachbarschaft ist sie gut
vernetzt: Elizabeth Weckes und Mathias Brock, die ihre Ateliers in der
Nachbarschaft haben, kommen schon mal auf einen Kaffee vorbei.
„Ich liebe die Illusionsmalerei", sagt Friederike Vahlbruch,
die an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert hat. Lange war
sie als Dozentin an der Volkshochschule in Köln
tätig. Es hat eine Weile gedauert, bis sie sich ihrer eigenen
künstlerischen Arbeit ganz sicher war. „Jetzt habe
ich ein gutes Gefühl und weiß, was ich machen will",
sagt die Malerin.
Ihre Bilder zeigen eine trügerische Idylle, spielen mit
ungewöhnlichen, gelegentlich verzerrten Perspektiven und
offenbaren beim genauen Hinsehen eine Vieldeutigkeit, die ambivalente
Gefühle auslösen. Aus dem „Wegrutschen der
Realität" beziehen die Gemälde ihre Spannung.
„Ein Bild muss haften bleiben; es muss sich in der
Übermacht der Medien als Einzelbild behaupten",
erklärt die Künstlerin.
Überaus sorgfältig plant sie die Gemälde,
denen ein Entwurf zugrunde liegt, den sie aus vielen Einzelbildern
zusammengefügt hat, die sie im Internet oder Zeitschriften
findet. „Schneiden, formen und legieren" lautet ihr
Arbeitsprinzip. Ist die Komposition vollendet, wird alles noch einmal
auf Transparentpapier gezeichnet.
Der Betrachter wird verunsichert
Friederike Vahlbruch ist eine akribische Handwerkerin, die
überaus planvoll zu Werke geht, zugleich aber frei bleibt
für Veränderungen. „Ich male schnell und
ohne Reue", konstatiert sie schmunzelnd mit Blick auf ein noch
unfertiges Bild. Es zeigt eine Alpenlandschaft mit stürzenden
Tannen; in der Mitte sitzt ein Mann, der anstelle eines Kopfes ein
Vogelhaus trägt.
Viele kleine Einzelteile tragen hier zur Verunsicherung des Betrachters
bei; etwas unbehaglich kann es einem auch angesichts der
Gewitterstimmung werden, die sie auf einer großformatigen
Leinwand festgehalten hat. Bizarre Schönheit paart sich mit
einem Gefühl von Bedrohung, das sich beim Betrachten von
Friederike Vahlbruchs Bildern oft erst auf den zweiten Blick einstellt.
Gemalt wird in sanfter Farbigkeit und mit leicht verschwimmenden
Konturen, was den Eindruck von Trugbildern unterstreicht.
„Ich mache keine Abbilder, ich will zeigen, was die Medien
nicht erfassen können", betont die Künstlerin, die
sich auch mit gesellschaftspolitischen Fragen wie etwa der
Wirtschaftskrise oder der Klimaveränderung
künstlerisch auseinandersetzt.
Schon seit längerem hat die Frechener Galeristin Pia
Esch-Renner ein Auge auf Vahlbruchs Bilder geworfen, die sie im Mai in
einer Einzelausstellung präsentierte.´
Neue Ruhr Zeitung /
Neue Rhein Zeitung( NRZ)
Kunstklau in
der Klinik
Oberhausen, 13.06.2009, Helen Sibum
Aus der vom Kunstverein präsentierten Ausstellung im St.
Elisabeth-Krankenhaus sind zwei Werke verschwunden.
Die Ausstellung heißt „Demontage”, was
ein bisschen zynisch klingt angesichts der jüngsten
Ereignisse: Zwei Bilder sind verschwunden aus dem St. Elisabeth
Krankenhaus, wo der Kunstverein seit Ende April Werke von Friederike
Vahlbruch präsentiert.
Eine Form der Ehrerbietung, über die die Malerin aus
Köln wenig erfreut ist. „Irgendwie tut das
weh”, beschreibt Vahlbruch den Verlust der beiden
Kleinformate im Wert von je 800 Euro. „So teuer ist das nun
auch nicht. Man hätte mich ansprechen und verhandeln
können.”
Das erste Bild – „Miami Beach”
– muss bereits vor der Vernissage abhanden gekommen sein. Im
Eröffnungstrubel fiel das niemandem auf, weil der
kunstliebende Langfinger den Haken und das Schild gleich mit
verschwinden ließ. Zwei Wochen später musste Ortwin
Goertz, Vorsitzender des Kunstvereins, den Klau eines weiteren Werkes
vermelden. Titel: „La Belle et la Bête”.
„Keine Publicity um jeden Preis”
„Ich weiß nicht, was er sich dabei gedacht
hat”, sagt Goertz über den unbekannten
Täter. Immerhin ist dem Chef des Kunstvereins aufgefallen,
dass beide der surrealistischen Zeitgeist-Bilder einen Porsche zeigen.
„Einmal einen Cayenne und einmal einen 911 – mit
einer leicht bekleideten Dame, die sich auf dem Auto
räkelt.” Frau und/oder Flitzer gefielen
irgendjemandem offenbar so gut, dass er sie einfach einsteckte.
Friederike Vahlbruch hat diese schmerzliche Erfahrung schon einmal
gemacht: Im Jahr 2004 stellte sie in Hamburg einen kunstvollen Sessel
aus. Das mehr als 100 Kilogramm schwere Teil verschwand, um nach einem
Zeitungsbericht wieder aufzutauchen – leider im Hafenbecken
und ziemlich derangiert. Ein Schelm, wer bei dieser Duplizität
der Ereignisse Böses denkt: „Ich gehöre
nicht zu den Künstlern, die Publicity wollen um jeden
Preis”, betont Friederike Vahlbruch.
Der Spaß ist ohnehin vorbei, spätestens seit die
Polizei eingeschaltet ist und die Sache zum Versicherungsfall wurde.
„Die Versicherung der Helios-Kliniken tritt sofort
ein”, sagt Ortwin Goertz, der Konsequenzen gezogen hat: Die
kleineren unter den 38 Exponaten hat er abgehängt und statt
dessen Fotos der Bilder an die Wand gepinnt – wer Interesse
hat, kann die Originale bei ihm einsehen.
Geschäftige Gänge
Die anderen, bis zu zwei Meter großen Werke wagt Goertz an
ihrem Platz zu belassen. Immerhin hängt die Ausstellung in der
Ambulanz, einem viel frequentierten Bereich der Klinik. Das ist
freilich auch das Dilemma der ganzen Aktion. Denn natürlich
möchte der Kunstverein, dass möglichst viele Besucher
die Kunst zu sehen bekommen, möchte das Krankenhaus
„durch Farbe aufbrechen”. Zugleich allerdings
verliert man in der geschäftigen Ambulanz schnell den
Überblick darüber, wer hier durch die Gänge
schlendert.
Ortwin Goertz hofft nun inständig, dass die begehrten Werke
wieder auftauchen – nicht zuletzt, um die Reputation der
Ausstellungsreihe zu retten. Seit fast 20 Jahren zeigt der Verein Kunst
im Krankenhaus, „und nie ist etwas derartiges
passiert”.
Auch Friederike Vahlbruch setzt darauf, dass den Klinik-Dieb ein
schlechtes Gewissen plagt. „Im besten Fall schleicht er sich
nochmal rein und stellt eine Tüte ab.”
Kölner Stadtanzeiger, 13. März 2007
Die große Kraft
der Farben
VON JÜRGEN KISTERS, 12.03.07, 23:00h

Die Malerin Friederike Vahlbruch spielt mit ihren Motiven: Hier ist
eine spanische Tänzerin mit einem Möbelstück
verwachsen.
Ehrenfeld - Die Beziehung von Kunst und Humor hat eine lange Tradition
- mit besonderen Höhepunkten in der künstlerischen
Karikatur eines Honore Daumier im 19. Jahrhundert und den zugespitzten
politischen Bildmotiven der deutschen Expressionisten in den
1920er-Jahren. In dieser Tradition stehen die acht malerischen
Frauen-Bilder, die Friederike Vahlbruch derzeit in einer Ausstellung im
Kunstverein KunstEfeld präsentiert. Da palavert eine gesichts-
und schuhlose Angela Merkel im deutschen Bundestag vor einem
Bundesadler im gestreiften Anzug und in frisch geputzten
Männerschuhen. Alice Schwarzer hockt in einem
sackleinenartigen Gewand in einem alten Lehnstuhl, die Schreibfeder wie
eine Lanze in der Hand.
Die seit 1991 in Köln lebende Künstlerin liebt das
plakative, erzählerische Motiv. Allerdings stets so, dass sich
ein doppelter Boden darin ergibt, schwankend im Spannungsfeld von Witz
und bissiger Satire, spielerischer Fabulierlust und
unversöhnlichem Gesellschaftskommentar. Bei allem lustvollen
Eintauchen in die Kraft der Farbe ist die 1964 geborene Vahlbruch vor
allem eine kritische Malerin, die in unterschiedlichsten
kompositorischen Spielarten das Bild der modernen Frau zur Diskussion
stellt. Frau Glück dreht sich keck als erotisches
Püppchen in der Mitte einer Roulette-Schüssel.
Demütig und hilflos erscheint dagegen die kniende junge Frau,
die aus einer Geldbörse herauskriecht, um die über
die Erde verstreuten Münzen aufzusammeln. Und Katharina, wer
immer das ist, erinnert wiederum an die feenhaften Frauengestalten aus
alten Märchen. Nur dass sie - anstatt freudig durch die Luft
zu springen - im verdrehten Rückenlagen-Sturzflug durch den
Himmel schwebt. Inmitten der derzeitigen gesellschaftlichen Diskussion
um Thesen katholischer Bischöfe zur Würde der Frau
und die Wiederbelebung des traditionellen Frauenbildes in der
Buchveröffentlichung der ehemaligen Tagesschausprecherin Eva
Hermann erweisen sich Vahlbruchs Bilder als hochaktuell.
Vor allem Fragen will die Künstlerin aufwerfen, die von 1984
bis 1990 an der Düsseldorfer Kunstakademie Malerei studierte
und anschließend an der Kölner Universität
noch ein Studium der Kunstgeschichte absolvierte. Die
Beschäftigung mit der Kunstgeschichte hat ihrer Malerei
entscheidende Impulse gegeben. Wie im Barock sollen meine Bilder einen
Sinneseindruck durch Form und Farbe, ein offensichtliches Motiv und
eine Ebene weiterreichender ikonografischer Bedeutungen vermitteln,
erklärt Vahlbruch. Sie weiß, dass das ein hoher
Anspruch ist, und sie versteht sich demgemäß trotz
ihrer bereits erreichten Meisterschaft in der figürlichen
Darstellung immer noch als eine Lernende. Kompositionen so komplex wie
die des Leipziger Malerstars Neo Rauch schweben ihr dabei
zukünftig vor. Und der Blick auf die bei KunstEfeld gezeigten
Bilder legen den Schluss nahe, dass sie einige entscheidende
Entwicklungsschritte in diese Richtung bereits gemacht hat.
Kunstverein KunstEfeld, Lenauplatz 3, Mo 16-19 Uhr, Sa 14-18 Uhr, bis
23. März